Bei den vielfältigen Android-Versionsnummern und Codenamen, die zur Zeit durch Fachzeitschriften und die Prospekte der Elektronikmärkte geistern, verliert man schnell den Überblick:

  • Welche Version ist aktuell?
  • Wenn ich jetzt ein Android Handy oder ein Tablet kaufe, worauf muss ich achten um eine möglichst neue Version des Google Betriebsystems zu erhalten bzw. möglichst länge mit Updates versorgt zu werden?
  • Was kann ich tun, wenn der Hersteller meines Gerätes keine neuen Versionen mehr herausbringt?

Auf diese Fragen möchte ich in diesem Blogeintrag eingehen und hoffe damit, einigen von euch bei der Kaufentscheidung für ein bestimmtes Android Gerät aufgrund verbesserter Sachkenntniss helfen zu können 🙂

1. Welche Versionen gibt es von Android? Welche ist aktuell?

Es existieren zur Zeit zwei „Reihen“ von Android Versionen, welche wiederum alle einen sogenannten Codenamen tragen. Die Versionen 2.2 (Froyo) und 2.3 (Gingerbread) sowie vereinzelt auf günstigen Geräten noch 2.1 (Eclair) werden zur Zeit beworben und entfallen auf die 2er Reihe von Android. Diese 2er Versionen wurden für Smartphones entwickelt und speziell auf deren Hardware und Verwendung angepasst.

Für den aufstrebenden Markt der Tablet-Computer benötigte Google relativ zügig ein eigenes Betriebsystem, welches den speziellen Anforderungen (insbesondere höhere Auflösung gegeüber Telefonen) dieser Systeme Rechnung trägt. Andorid Versionen für Tablets tragen eine 3 als führende Ziffer z. B. Version 3.0 bzw. 3.1 welche unter dem Codenamen „Honeycomb“ beworben werden.

Langfristig werden diese Versionen wohl wieder zusammengeführt (siehe Android in der Wikipedia), jedoch gibt aktuell die Versionsnummer der aufgespielten Android Version bereits Aufschluss über das Format und den Einsatzzweck des Gerätes.

Verison 2.3.4 (Gingerbread) ist die aktuellste Android Version für Smartphones und 3.1 (Honeycomb) stellt die neuste Software für Android Tablets dar.

Die bisher angesprochenen Versionen gelten für das „reine“, also unveränderte, Android Betriebsystem, welches von Google für alle frei herausgegeben wird. Viele Hersteller wiederum erweitern diese Basisversion noch um z. B. eine herstellerspezifische  Oberfläche (z. B. HTC mit der Sense Oberfläche) oder nehmen Anpassungen oder/oder Erweiterungen an den Grundfunktionen des Systems vor. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass Netzprovider die Software des Herstellers nochmals anpasst (Branding) um etwa die Startanimation mit dem eigenen Logo zu versehen oder eigene Apps vorzuinstallieren.

2. Wie sieht es mit Updates aus?

Um die Verfügbarkeit von zukünftigen Updates einschätzen zu können ist es grundsätzlich wichtig zwichen 3 Fällen zu unterscheiden:

Fall 1)

Auf dem Gerät läuft Android in der Basisversion ohne herstellerspezifische Anpassungen (z. B. typische Google-Phones wie das „Nexus One“ oder das „Nexus S“).

Die Updatemöglichkeiten in diesem Falle sind optimal. Sobald eine neue Android Version von Google freigegeben wurde, dauert es in der Regel nur wenige Tage bis Wochen, bis das System auf den Geräten zur Verfügung steht. Eine Grenze stellt hier lediglich die Hardwareausstattung des Smartphones dar, also z. B. die neue Systemsoftware mehr RAM benötigt oder mehr Speicherplatz belegt, als auf dem Smartphone vorhanden ist. Der Bootloader des Gerätes muss darüber hinaus so konfiguriert sein, dass er auch unverschlüsselte Softwareimages akzeptiert und starten kann. Dies ist meist der Fall bei Android Geräten nur mit Google Software.

Fall 2)

Auf dem Gerät läuft eine Androidversion mit herstellerspezifischen Erweiterungen (HTC Sense oder Samsung TouchWiz).

Sobald Google eine neue Androidversion freigibt, muss der Hersteller entscheiden, ob er die eigenen Anpassungen und Erweiterungen an der Basissoftware auf die neue Version portieren und diese dann an die Geräte verteilen möchte. Einige Hersteller geben an, ein Gerät 18 Monate lang nach dem Erscheinen mit Android Updates zu versorgen (siehe Artikel). Nach Ablauf dieser Frist oder wenn der Hersteller entscheiden sollte, keine weiteren Updates für ein Gerät anzufertigen und auszuliefern, wird keine neue Android Version mehr für das Gerät zur Verfügung stehen, auch wenn es die Hardwareausstattung des Smartphones oder Tablets ermöglichen würde. Der Hersteller bestimmt somit direkt ob eine neue Android Version auf dem Gerät genutzt werden kann oder nicht. Darüber hinaus werden häufig Maßnahmen ergriffen, welche sicherstellen sollen, dass nur vom Hersteller abgesegnete Software auf dem Gerät installiert werden kann (Bootloader akzeptiert nur vom Hersteller signierte Images). Damit wird leider ausgeschlossen eine neue Androidversion ohne die herstellerspezifischen Erweiterungen zu nutzen, auch wenn dies rein technisch möglich wäre. Man muss dabei jedoch auch im Blick haben, dass die Hersteller nicht für jede Gerät / Softwarekombination den Support übernehmen können. Einige Hersteller überlegen zur Zeit, ob es nicht möglich wäre, informierten Kunden zu gestatten auch andere Software auf dem eigenen Gerät zu installieren, wenn diese dann auf Support verzichten (siehe Artikel und weiteren Artikel).

Fall 3)

Auf dem Gerät läuft eine Androidversion mit herstellerspezifischen Erweiterungen und darüber hinaus einem Providerbranding.

Dieser Fall ist vergleichbar mit Fall 2, nur dass eine weitere Instanz (der Netzprovider) wiederum entscheiden muss ob das Softwareupdate um das eigene Branding ergänzt und an alle Geräte verteilt werden soll. Dies nimmt einige Zeit in Anspruch und schlimmstenfalls können sogar Funktionsbeschränkungen (beliebt ist das Abschalten der Tethering-Funktion) in der Softwareversion des Netzbetreibers enthalten sein. Meist dauert es bei dieser Konstellation noch Wochen bis die aktuelle Android Version mit den herstellerspezifischen Erweiterungen auf das Branding angepasst wurde und dann schließlich ausgeliefert wird.

3. Was kann ich tun wenn mein Gerät keine Updates mehr erhalten soll ?

Bei Fall 1), lässt sich so lange updaten bis die Hardware des Gerätes zu schwach für die neue Softwareversion ist. Dann ist es noch möglich auf sogeannte Modifikationen oder „Andrdoid-Mods“ zurückgreifen, also angepasste Softwareversionen welche ggf. auf dem Gerät noch laufen (weil z. B. speicherintensive Funktionen weggelassen wurden). Googeln nach „Android +mod +Smartphone-/Tabletname“ sollte hier helfen, ein entsprechendes Softwaremod sowie eine Installationsanleitung zu finden. Eine Auflistung eingier MODs ist unter diesem Link zu finden. Der wohl bekannste Mod dürfte der Cyanogenmod sein.

Bei Fall 2) und Fall 3) besteht die Möglichkeit des „Aufbrechens“ des Bootloaders (als Jailbreak oder rooting bezeichnet) damit dieser beliebige andere Softwareversionen annimmt und startet. Man kann so z. B. auf einem Gerät mit herstellerspezifischen Anpassungen die Android-Standardsoftware installieren und hat anschließend weiter die Möglichkeit des Updates auf neuere Versionen von Android. Dies hat aber den Verlust der Herstellergarantie zur Folge. Wer sich daran nicht stört oder wessen Garantie bereits abgelaufen ist findet im Internet durch geschicktes googeln nach dem eigenen Gerät entsprechende Anleitungen oder gar Youtube Videos, die den Vorgang im Detail erklären. Häufig sind nicht mehr als ein paar Mausklicks dafür notwendig. Eine weitere Anlaufstelle für Informationen zu dem Thema bietet das Forum der XDA-Developers.

4. Fazit

Ich hoffe ich konnte einen kleinen Einblick in die aktuelle Bedeutung der Android-Versionsnummern geben und euch helfen, die ganze Thematik genauer einschätzen zu können. Ich freue mich immer über Kommentare (auch negative!), Anregungen und Feedback 🙂